Auf der Höhe des Stroms

Auf der Höhe des Stroms

Angela Damian ist unsere Kollegin im Netzteam Saarpfalz – mit ihren acht Monteurs-Kollegen repariert und wartet sie die Stromleitungen. Im Winter und im Sommer. Auch bei 40 Grad. Wir haben die Pfalzwerkerin an einem Hitzetag begleitet.

Freitagmorgen, 7.30 Uhr

Die Sonne brennt vom Himmel. Heute sollen es 40 Grad werden. „Hitzerekord!“ tönt es aus dem Radio. Angela Damian steigt in den Steiger und fährt los.
Erste Station: Körborn. An einem Haus muss die Isolation an den Stromleitungen entfernt werden. Der Hausbesitzer erwartet Angela und ihren Kollegen Philipp.
Angela rangiert den Steiger an der Schräge. Die Zufahrt ist eng, Millimeterarbeit. Philipp ruft und winkt Befehle, das schwere Auto röhrt. Nach zwei Versuchen steht das Fahrzeug richtig. Angela zieht sich eine dicke Isolationsjacke für Arbeiten unter Spannung an, schlingt den Sicherungsgurt um den Körper, schnallt eine Werkzeugtasche um die Hüfte und schwingt sich in den Korb des Steigers. Einige Kilo wiegt der Gurt um ihre Hüften. Das merkt man nicht, wenn man sie beobachtet. „Ich mache Kampfsport, das hilft mir in diesem Beruf sehr – körperlich, aber auch mental“, sagt die 30-jährige.

Konzentrierte Arbeit an der Spannung

Sie steuert den Steiger auf Dachhöhe und nähert sich den isolierten Leitungen. Gummihandschuhe an, Helm mit Gesichtsschutz an. Und dann: Konzentrierte Arbeit an der unter Spannung stehenden Leitung. Stück für Stück muss Angela die schwarze Leitungsisolation entfernen, muss sich an teilweise schwer zugängliche Stellen strecken und die entfernte Isolation zu Philipp nach unten reichen. Das alles gefühlt näher am Himmel als am Boden. Inzwischen hat es 33 Grad.

 

Pfalzwerke Netzteam
Angela mit Schutzkleidung

Kein Zuckerschlecken

Pfalzwerke Netzteam

Als Angela nach vierzig Minuten aus dem Steiger steigt, den Helm abwirft und die Jacke auszieht, ist ihr Gesicht und T-Shirt nass, als wenn sie in einem See gebadet hätte. Spätestens jetzt wird klar: Dieser Beruf ist kein Zuckerschlecken.

Angela lacht: „Aber Büroarbeit ist im Moment noch nichts für mich!“. Sie hat studiert und nach ihrem Abschluss als Diplom-Ingenieurin gearbeitet. „Da sieht man nichts von der Welt. Man hat nur Stress und kann den aber nicht abbauen. Man sitzt in einem Elfenbeinturm, der Job hat kaum Relevanz. Ich habe gemerkt: Das erfüllt mich nicht“.

Als Ingenieurin ins Handwerk

Pfalzwerke Netzteam

Sie kündigt und „klopft Schlitze“, wie sie sagt. Will zurück ins Handwerk. Die Stelle bei den Pfalzwerken macht sie glücklich. „Hier kann ich mich ausprobieren. Das ist auch nötig, denn ich kann die Arbeit nicht von meinen männlichen Kollegen eins zu eins kopieren. Ich komme vielleicht nicht mit derselben Bewegung an den Mast heran, weil ich zu klein bin. Oder ich habe nicht die gleiche Kraft, um eine Schraube aufzudrehen. Dann muss ich mir überlegen: Wie kriege ich es trotzdem hin? Dafür ist hier Platz, weil man mich als Mensch sieht, nicht nur als ausführendes Instrument, das immer sofort funktionieren muss. Das ist toll“.

INFO: UNSER NETZTEAM

Angela Damian ist Teil unseres Netzteams. Es besteht zur Zeit aus zehn Monteuren und zwei Netzmeistern. In Zweierteams sind sie unter der Woche unterwegs – und am Wochenende per Bereitschaft verfügbar. Sie sind die Schnittstelle zwischen Umspannwerk und den Menschen zuhause.


Ihr Aufgabengebiet:

  • Wartung, Instandhaltung und Reparaturen im Niederspannungsnetz und Mittelspannungsnetz (Höhenarbeit, Arbeiten unter Spannung)
  • Provisorische Bauanschlüsse
  • Ausholzung (Stromleitungen von Bäumen befreien)
  • Elektrische Hausanschlüsse
  • Rufbereitschaft und Entstörung, Notstromversorgung

Du willst machen, was Angela macht? Dann bewirb dich bei uns oder mach eine Ausbildung zum/r Elektrotechniker/in.

In der Pfalz & Saarpfalz zu Hause

Die Disposition kündigt die nächste Baustelle an. Börsborn. Philipp fährt den Sprinter, Angela den Steiger. Mit schnellem Tempo düsen die beiden übers Land, der Fahrtwind weht durch die offenen Fenster herein. Aus Angelas Radio dröhnt Rockmusik.

„Wir haben das Glück dort arbeiten zu dürfen wo andere Urlaub machen !“ ruft Angela gegen den Wind. „Die Pfalz und die Saarpfalz ist so eine schöne Gegend. Wir können nach Arbeitsende die Äpfel lesen von dem Feld, auf dem wir vor kurzem den Mast repariert haben“.

Saarpfalz Pfalz

Diese Verbundenheit mit der Region treibt sie nicht nur an – für sie und ihr Team ist sie auch grundlegend: „Meine erfahrenen Kollegen kennen alle Bewohner der Dörfer und wissen zum Beispiel genau, wo eine Photovoltaikanlage verbaut ist", erzählt Angela. Bei Spannungsschwankungen, die von den Anlagen ausgehen, wissen sie genau, dass sie bei Familie Maier oder eben bei Familie Müller nochmal klingeln sollten.

Saarpfalz Pfalz

In Börsborn hat eine Familie das Netzteam bestellt, weil sie ihr Hausdach neu decken lassen will. Vorab müssen zum Schutz der Dachdecker die Stromleitungen, die über das Haus verlaufen, isoliert werden. Sobald die Dachdeckerarbeiten abgeschlossen sind, werden die Isolationen wieder entfernt. Dafür zahlt die Familie eine Servicepauschale an die Pfalzwerke Netz AG.

Pfalzwerke Netzteam

Angela und Philipp begutachten die Baustelle und überlegen, wie sie den Steiger an die Stromleistung rangieren. Ein paar schnelle Wortwechsel, dann geht es los: Angela zieht die Isolationen vom Wagen und befestigt sie am Steigerkorb. Philip sichert die Baustelle ab und stellt das benötigte Werkzeug zusammen.

Netzteam Pfalzwerke
Angela und Philipp bereiten den Aufstieg zur Stromleitung vor.

Anschließend ziehen Angela und er die isolierte Jacke, den Helm mit Gesichtsschutz und die isolierenden Gummihandschuhe an. Die Arbeiten sollen nur vom Korb der Hubarbeitsbühne erfolgen. Dann geht es für ihn nach oben. Das Thermometer zeigt 36 Grad.

  • Netzteam Pfalzwerke
    Angela und Philipp beim Anlegen der Schutzgurte – vor dem Aufstieg muss Angela die Hose runterkrempeln.

Ein Job mit Ergebnis

„Es fällt mega auf, dass ich eine Frau bin und dass das ungewöhnlich ist in dem Beruf“, erzählt Angela. Wenn wir in einem Dorf ankommen und ich in den Korb steige, schauen vor allem ältere Leute ungläubig und fragen meinen Kollegen: „Warum lasst ihr das Mädel so eine schwere Arbeit machen?“, lacht sie. Doch genau das sei es, was ihr gefalle: Man bleibe fit. „Manchmal geht es wirklich nicht und ich muss sagen: Das schaffe ich körperlich nicht“ – ob ihr das etwas aus mache? „Nein, meine männlichen Kollegen können auch nicht alles“.

Und schließlich sei der körperliche Aspekt nicht alles am Job: „Man hat ständig mit Leuten zu tun und lernt neue Menschen kennen, jeder Tag ist anders“. Diese Abwechslung macht ihr Spaß. „Und vor allem, das ist auch der große Gegensatz zum Büroalltag: Man sieht ständig Resultate seiner Arbeit“.  
Dass der Strom bei den Menschen ankommt, ist ihr Verdienst. Zusammen mit dem Team der Netzleitstelle sind sie Vorsorger – sie warten alle Strommasten regelmäßig - und bei Bedarf Reparateur.

Ein Team für den Strom

12 Uhr. Mittagspause. Angela und Philipp fahren zu einem Supermarkt um die Ecke und lassen sich auf die Stühle der Bäckerei fallen. Endlich Schatten. Angela ist gerade 30 geworden und überlegt, wie sie feiern soll. Philipp hat nächste Woche Urlaub. Das Team und der Zusammenhalt sind gut.

“Die Arbeit ist oft gefährlich, anstrengend, unangenehm. Da muss man sich blind auf seine Kollegen verlassen können. Jeder weiß hier über jeden Bescheid – manchmal sogar etwas zu gut, wie in einer Familie.“

Pfalzwerke Netzteam

Zeit für langes Ausruhen ist nicht. In Brücken muss ein Baustromverteiler angeschlossen werden. Doch die Verteilerbox ist durch Büsche zugewachsen. Mit der Heckenschere schneidet Angela die Büsche um den Kabelverteilerschrank ab. Der Eingang der Box ist durch dichte Spinnweben verschlossen. „Man sieht: In dem Job darf man nicht zu zart besaitet sein“, kommentiert Angela – sagt es, und fegt die Weben beherzt weg. Der Weg für den Strom ist frei.

Netzteam Pfalzwerke Stromleitung
Vollendete Arbeit: Die isolierten Stromleitungen.

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Dann mach bei uns eine Ausbildung zur/m Elektrotechniker/in oder bewirb dich direkt.

Wir freuen uns auf dich!

 

 

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