Robotik und KI: Status quo und Zukunft

Robotik und KI: Status quo und Zukunft

Wo kommen künstliche Intelligenz und Robotik zum Einsatz? Wo sind die Grenzen? Und was bedeutet das für Unternehmen? Gemeinsam mit Experte Dr. Sirko Straube wirft die Pfalzwerke-Gruppe einen Blick auf aktuelle Möglichkeiten und in die Zukunft.

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AUSLESE – DARUM GEHT´S HIER:

 

  • Experte Dr. Sirko Straube zu Gast bei den Pfalzwerken
  • Was KI und Robotik heute kann
  • Wie das Robotics Innovation Center Unternehmen unterstützt

Sven Bettinger und Matthias Zürn gehören zum Digitalteam des Bereichs Strategisches Marketing und Unternehmenskommunikation bei den Pfalzwerken. Chatbots, Programmiersprachen und digitale Infrastruktur sind ihre berufliche Welt. Und privat? Nach Feierabend lauschen sie gerne dem Podcast „Think Reactor – der künstliche Intelligenz Podcast“ von Roland Becker und Dr. Sirko Straube. Als große Fans des Podcasts und des Themas schlugen sie vor, Dr. Sirko Straube zum „Strategischen Marktforum“ einzuladen. In dieser Vortragsreihe beschäftigt sich die Pfalzwerke-Gruppe regelmäßig mit zukunftsträchtigen Trends. Als stellvertretender Leiter des Robotics Innovation Centers war Dr. Sirko Straube als Keynote-Speaker geradezu prädestiniert. In seinem Vortrag AI & Robotic Thinking nahm er die Pfalzwerker mit auf eine spannende Reise…

Was ist das Robotics Innovation Center?

Dr. Sirko Straube: Das Robotics Innovation Center mit Sitz in Bremen ist Teil des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Unser interdisziplinäres Team konzipiert und realisiert intelligente Roboter für Forschungsprojekte oder im Auftrag der Industrie. Wichtig ist uns, dass wir in den Forschungsprojekten immer die reale Anwendung im Blick haben und möglichst unseren Beitrag für einen erfolgreichen Transfer leisten.
Dabei geht es weniger um klassische Industrieroboter zur Automatisierung, sondern um autonome Roboter, die selbstständig agieren können, sowie die Interaktion mit dem Menschen. Als Neurowissenschaftler interessiert mich diese Interaktion zwischen Mensch und Maschine besonders.

Wo kommen intelligente Roboter zum Einsatz?

Dr. Sirko Straube: Aktuell befassen wir uns vorwiegend mit Unterwasser-, und Weltraumrobotik, sowie mehreren Anwendungsgebieten hier auf der Erde (terrestrische Robotik). Hier sind vor allem Rettungsrobotik, Logistik, Produktion, sowie im Assistenz- und Rehabilitationsrobotik zu nennen. Konkrete Beispiele: Roboter erkunden Oberflächen und nehmen Proben in Umgebungen, die für den Menschen nicht zugänglich sind. In der Industrie zeichnet sich der Weg von der Fertigungsstraße hin zu mobiler Robotik, die mit dem Menschen als hybrides Team agiert. In der Pflege unterstützen Exoskelette beim Rehaprozess und KI kann bei der Diagnose und Medikamentengabe assistieren. Auch beim autonomen Fahren wird Vieles mithilfe intelligenter Systeme gesteuert.

Das Recupera REHA-Teilsystem umfasst die gesamte Kinematik des menschlichen Armes. (Copyright: DFKI, Annemarie Popp)

Wo sind Grenzen?

Dr. Sirko Straube: Wir unterscheiden zwischen schwacher und starker KI. Die heute gängige schwache KI beinhaltet Systeme in einem begrenzten Anwendungsgebiet und löst dort Probleme. Ein Rasenmäherroboter zum Beispiel, oder eine Schachspielsoftware. Beide Systeme können nicht für andere Dinge eingesetzt werden – der Schachcomputer kann nicht auch Go spielen. Starke KI definieren wir als flexible Systeme, die selbständig für sie neue Probleme lösen können. Solch eine flexible Intelligenz existiert bislang noch nicht, KI kann ihre eigene Kompetenz nicht einschätzen und die Realisierbarkeit liegt meines Erachtens noch weit in der Zukunft und auch hier können wir noch nicht sagen, wie das dann genau aussehen würde. Zudem stagniert die Entwicklung hin zu einer Umsetzung in unserem Alltag, hauptsächlich weil die Systeme aktuell nur unzureichend in der Lage sind, festzustellen, ob und warum sie Fehler machen – entsprechend kann der Mensch das nicht gut erkennen oder interpretieren. Als Faustregel könnte man sagen: Je komplexer ein System agiert, desto weniger transparent ist es aktuell für uns.
Ich plädiere dafür, sich auf das zu konzentrieren, was heute technisch möglich ist.
Das aktuelle Erfolgsmodell sind künstliche neuronale Netze. Diese benötigen eine Unmenge von Daten und können -einmal trainiert- Muster erkennen, wie z. B. Spracherkennungsalgorithmen, Bilddatenerkennung oder die Personalisierung in der Werbung.

 

Das System Mobipick ist in der Lage, in der Fertigungsumgebung autonom zu navigieren, Werkzeuge zu erkennen, zu manipulieren, zum Werker zu transportieren und ihm passgenau zur Verfügung zu stellen. (Copyright: DFKI, Annemarie Popp)

Wie profitieren Unternehmen von KI?

Dr. Sirko Straube: Vielen Branchen, wie Energie, Transport, Bankwesen, oder Landwirtschaft bieten KI hohe Potenziale. Prozesse werden sich verändern, etwa bei der Datenerhebung oder der vorausschauenden Wartung. Das Robotics Innovation Center berät Unternehmen zu den Einsatzbereichen von KI, hilft Arbeitsabläufe zu optimieren und klärt über aktuelle Möglichkeiten auf. KI sollte als Chance betrachtet werden: Wo eröffnen sich neue Geschäftsfelder, wenn ich KI in mein Unternehmen implementieren würde?

Voraussetzung ist in jedem Fall die Digitalisierung. Für einen Energiedienstleister wie die Pfalzwerke ist die Auslastung des Stromnetzes ein wichtiger Faktor. Mit der IoT-Infrastruktur haben die Pfalzwerke bereits die Basis geschaffen, um KI einzusetzen und künftig einmal Vorhersagen treffen zu können, wann wo wie viel Energie gebraucht wird.

Was bedeutet KI für die Arbeitswelt und die Gesellschaft?

Dr. Sirko Straube: Wie genau sich die Arbeitswelt durch KI verändern wird, ist nicht leicht vorhersehbar. Feststeht, dass die Veränderungen durch KI viele Lebensbereiche betreffen werden. Solche Veränderungen erzeugen immer auch Unsicherheit und Angst. Um dem zu begegnen, können und sollten Unternehmen ihren Mitarbeiter verdeutlichen, dass hier eine langfristige Transformation vonstattengeht, die die Beteiligung aller benötigt. Am besten ist es, so die Mitarbeiter mitzunehmen, Chancen zu erörtern und Positives aufzuzeigen.
Das Thema KI in den gesellschaftlichen Diskurs einzubinden, ist eine meiner Herzensangelegenheiten. Aus diesem Grund haben Roland Becker und ich auch unseren privaten Podcast aufgelegt. Gemeinsam mit Experten diskutieren wir über das Thema KI, auch unter ethischen Gesichtspunkten.

 

Steckbrief Dr. Sirko Straube

  • Research & Administrative Manager beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)
  • Stellvertretender Leiter des Robotics Innovation Center am DFKI
  • Macher des Podcasts „Think Reactor“
     

Mehr zu KI und Robotik von Dr. Sirko Straube gibt es in seinem Podcast „Think Reactor“ und im Videostream auf Youtube.

Dr. Sirko Straube

Das Header-Bild zeigt das Oberkörper-Exoskelett "CAPIO" des DFKI. Es ermöglicht einem menschlichen Anwender die intuitive und realitätsnahe Telemanipulation mit komplexen robotischen Systemen. (Copyright: DFKI, Annemarie Popp)

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