IoT: Große Chance für kleine Kommunen

IoT: Große Chance für kleine Kommunen

Wenn die Straßenbeleuchtung mit Fahrzeugen kommuniziert, ist höchstwahrscheinlich IoT im Spiel. Unsere Städte stehen ganz im Zeichen der Digitalisierung. Wie insbesondere auch ländliche Gemeinden von digitalen Lösungen profitieren können und wie sie die Herausforderung idealerweise angehen: Darüber spricht Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

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AUSLESE – DARUM GEHT`S HIER:

 

  • Die Bedeutung der Digitalisierung für Kommunen

  • Wie digital sind Kommunen heute?

  • Einsatzgebiete von IoT-Lösungen

  • Herausforderungen und Chancen

  • Richtiges Datenmanagement

  • Fördermöglichkeiten

Stellen Sie sich vor: Ein Rettungswagen ist mit Blaulicht auf dem Weg zum Einsatzort – mitten im Berufsverkehr. Mühevoll bahnen sich die Einsatzkräfte an einer Kreuzung den Weg durch die rangierenden und fahrenden Autos. Dabei riskieren sie Unfälle und verlieren wertvolle Zeit.

Was aber wäre, wenn sich die Ampelschaltung automatisch so verändert, dass alle Autos rechtzeitig und geordnet zum Stehen kommen und so das Notfallfahrzeug schneller und sicherer passieren kann?

Durch eine intelligente Verkehrssteuerung könnte es zu weit weniger Gefahrensituationen kommen als es bisher der Fall ist. Das ist nur ein Beispiel, wie die Technologien des Internets der Dinge (englisch: Internet of Things, IoT) Abläufe optimieren und dem gesellschaftlichen Zusammenleben in Städten und Landkreisen echte Mehrwerte bieten kann.

Kommunen sind aktuell sehr stark gefragt, im digitalen Zeitalter mitzuhalten. Als Politikwissenschaftler und Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) beschäftigt sich Alexander Handschuh intensiv sowohl mit den Grundsatzfragen Digitalisierung und neuen Medien als auch mit den zentralen Herausforderungen im kommunalen Bereich. In der „IoT-Webkonferenz für Kommunen sowie Stadt- und Gemeindewerke“ der Pfalzwerke Netz AG spricht er über die drängendsten Fragen zum Einstieg in die Digitalisierung.

Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB)

1) Warum hat die Digitalisierung eine so große Bedeutung für Kommunen?

Das neue Jahr 2022 gibt Kommunen eine Menge Zukunftsaufgaben mit auf den Weg. Wir haben beispielsweise im letzten Jahr erfahren, welche verheerenden Auswirkungen Klimaereignisse wie Hochwasser auf Kommunen haben können. Auch müssen wir uns vor allem im ländlichen Raum fortan mit der Pandemie und deren Auswirkungen befassen, die uns den Nutzen von digitaler Technologie vor Augen geführt hat. Weitere dringliche Themen sind Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die IoT-Lösungen dienen Kommunen als wichtiges Hilfsmittel und Werkzeug, um eine Menge dieser Aufgaben und die digitale Transformation zu bewältigen.

2) Wie digital sind Kommunen derzeit?

Beim Thema Digitalisierung wird der Fokus leider zu oft auf den Begriff „Smart City“ gelegt, was sofort Bilder von futuristischen Großstädten wie Shanghai oder Singapur hervorruft. Das trägt dazu bei, dass sich Gemeinden und kleine Regionen aktuell nicht so schnell dem Thema nähern, wie es sinnvoll und notwendig wäre. Aber „Smart City“ sollte annähernd als Synonym zu „Smart Village“ verstanden werden und keine abschreckende Wirkung haben.

Des Weiteren fehlt in kleinen Kommunen auch im Jahr 2022 noch oft das Fundament, nämlich leistungsstarke Breitband- und Mobilfunk-Infrastrukturen. Und wo das Fundament fehlt, ist die Entwicklung zum digitalen Dorf gehemmt.

Neun von zehn Kommunen in Deutschland sehen die Pandemie aber als Digitalisierungstreiber in der Verwaltung. Das besagt eine repräsentative Umfrage des DStGB und des Bitkom von Ende 2020. Die Pandemie hat uns allen vor Augen geführt, dass der Betrieb vor Ort nur aufrecht erhalten werden konnte, weil man in der Lage war, digitale Werkzeuge zu nutzen. Viele Verwaltungen haben erste Erfahrungen mit Mobilem Arbeiten und Home Office gemacht. Trotzdem sind auch eine Menge Defizite ans Licht gekommen, gerade was die Vernetzung der Gesundheitsbehörden angeht. Diese müssen dringend angepackt und die Rückstände aufgeholt werden.

1760 dauerte es 50 Jahre, bis eine technische Neuerung durch die nächste ersetzt wurde. Eine kurze Beschleunigung brachte die Elektrifizierung (Straßenbahnen, Laternen etc.) In den 60ern pendelten sich die Zyklen wieder bei 30 bis 50 Jahren ein. Heute vergehen bis zur nächsten Innovation nur noch 2 Jahre. Quelle Grafik: DStGB 2018

3) Warum stehen Kommunen im Wettlauf gegen die Zeit?

Die Innovationszyklen im technischen Bereich haben sich in den letzten Jahren radikal verkürzt. Es vergehen aktuell nur rund zwei Jahre bis die nächste Innovation die alte ablöst. Das fordert kommunale Entscheidungsstrukturen extrem heraus. Die Gremien und Räte brauchen gewisse Vorlaufzeiten, um demokratisch legitimierte Entscheidungen nach Recht und Gesetz zu treffen. Das verträgt sich schwer mit dem schnellen Wandel der Technik. Häufig warten Kommunen erst einmal ab mit Blick auf die nächsten zwei Jahre. Die Lücke zwischen dem viel agileren privatwirtschaftlichen Sektor und den Kommunen vergrößert sich demzufolge immer mehr. Trotzdem gibt es große Chancen für Kommunen. Da sollten wir optimistisch sein.

4) Wo überall kann IoT zum Einsatz kommen?

Mobilität, Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Energie&Umwelt oder Leben&Freizeit: Nahezu alle Bereiche des Zusammenlebens in einer Stadt oder Gemeinde können von IoT-Lösungen profitieren. Das betrifft ganz konkret beispielsweise die Ladeinfrastruktur von E-Autos und den ÖPNV, die Zählerstand-Fernauslesung, das Monitoring der Luftqualität, die Füllstand- und Pegelüberwachung von Containern oder Tanks, das Abfallmanagement, telemedizinische Lösungen, wenn die Wege zum nächsten Arzt oder zur nächsten Ärztin sehr weit sind, die Energieversorgung, die Straßenlaternen und sogar die temporäre Ereignisbeleuchtung zu Weihnachten. Verwaltungen spielen dabei eine übergeordnete Rolle. Dort laufen die Fäden zusammen. Sie sind der Knotenpunkt im digitalen Netzwerk.

Darstellung einiger Sektoren der digitalen Infrastruktur mit der Verwaltung in zentraler Rolle. Quelle Grafik: DStGB 2021

5) Was sollten Kommunen im ersten Schritt tun?

Der entscheidende Rohstoff einer erfolgreichen Digitalisierung sind Daten. Ob Haushalts-, Klima-, Abfall-, Wasser-, Verkehrs-, Geo- oder Statistikdaten: Datenbestände in den Verwaltungen gibt es zuhauf und sie werden massiv anwachsen. Doch die Daten aus der guten alten Exceltabelle sind nur schwer nutzbar. Um vorhandene Datenbestände in den Kommunen verwerten zu können, müssen also im ersten Schritt alle Daten auf einer Plattform verfügbar gemacht und somit eine Infrastruktur aufgebaut werden. Erst dann können digitale Lösungen entwickelt werden. Kleinere Kommunen sollten und müssen mit kommunalen IT-Dienstleistern zusammenarbeiten, um diese Strukturen aufzubauen und ein individuelles Konzept zu erstellen. Außerdem hilft es ungemein, sich mit anderen Kommunen und kommunalen Unternehmen auszutauschen und von deren Erfahrung zu lernen.

Beispiel Datenplattform „Urban Cockpit“ der Kreisstadt Bad Hersfeld: https://badhersfeld.urbanpulse.de/#!/tiles/

6) Was ist der zweite Schritt?

Die gesammelten Daten müssen dann gut aufbereitet und visualisiert werden. Dieser Mehrwert an Informationen kann die Qualität von politischen Entscheidungen erhöhen und gleichzeitig die Bürger*innen informieren. Auf einen Blick wird dann beispielsweise ersichtlich, wo welche Parkplätze frei sind, wo es Ladesäulen gibt, wie hoch die Lärmbelastung ist etc.

7) Welche Rolle spielt die Vernetzung dieser Themenbereiche?

Eine sehr große! Digitalisierung ist kein technisches, sondern ein strategisches Thema, um die Lebens- und Standortqualität vor Ort zu verbessern. Kommunen müssen bereichsübergreifend denken und überlegen, wie sie die Daten aus den bereits genannten Sektoren horizontal vernetzen. Außerdem sollte der öffentliche Sektor mit Unternehmen und auch kommunalen Unternehmen wie den Stadtwerken kooperieren, die oft als Motoren der Digitalisierung in den Kommunen agieren. Das alles muss auf Augenhöhe geschehen – vonseiten der Kommunen, aber auch vonseiten der Privatwirtschaft. Daten sollten immer geteilt werden, sofern das möglich ist und sie nicht geschützt sind. Nur so können echte Mehrwerte generiert werden.

8) Was sind konkrete Beispiele für die horizontale Vernetzung?

Zum Beispiel wird ein Zebrastreifen hell beleuchtet (Energiesektor), sobald ein Fußgänger die Straße überquert (Sektor Leben&Freizeit) oder ein Bus kommt (Mobilitätssektor). Oder die Ampelschaltung verändert sich (Mobilitätssektor), damit ein Notfallfahrzeug passieren kann (Gesundheitssektor).

9) Gibt es Unterstützung und Förderungen für Kommunen?

Neben zahlreichen Förderungen der Länder gibt es auch Bundesförderangebote. Zum Beispiel die Initiative „Stadt Land Digital“ vom Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Hier können Kommunen über eine Hotline jederzeit nachfragen, wie sie Fördergelder bekommen können. Außerdem erhalten sie viele Praxisleitfäden. In erster Linie ist aber eben auch der Austausch mit Bürger*innen der Kommunen, Mitarbeiter*innen in den Verwaltungen, anderen Kommunen und Unternehmen enorm wichtig, um auf den richtigen Kurs zu kommen.

Herr Handschuh, was möchten Sie Kommunen mit auf den Weg geben?

Trotz aller Herausforderungen, vor denen Kommunen stehen – Datenqualität, Datensicherheit, einheitliche Standards, personelle und finanzielle Ressourcen, Weiterbildungsangebote etc.: Ein wenig Wagemut tut gut! Wir sollten uns trauen, Dinge anzupacken und nicht die Bedenken in den Vordergrund stellen. Es gibt viele Ansätze und Hilfestellungen. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass wir mit verschiedenen Lösungen auch unsere Kommunen im digitalen Zeitalter Schritt für Schritt voranbringen werden.

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Mehr Infos zum Thema Digitalisierung und IoT-Lösungen im Bereich Strom, Gas und Wasser erhalten Kommunen von unserem IoTista-Team der Pfalzwerke Netz AG: www.iotista.de/kontakt

IoTista ist ein selbst entwickeltes IoT-Konzept und eine Marke der Pfalzwerke Netz AG.

Weiterführende Links:

Impulsvortrag von Herrn Handschuh als Video anfordern | IoTista Webkonferenz

Ihr starker Partner für Kommunen | Pfalzwerke Netz AG

Whitepaper für Kommunen | Pfalzwerke Netz AG

Die nächste IoT Webkonferenz findet im Herbst 2022 statt.

Autorin: Stephanie Streißelberger

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