Manchmal macht es „klick“: 150 Jahre Ideenmanagement

Manchmal macht es „klick“: 150 Jahre Ideenmanagement

Manchmal macht es „klick“. Und manchmal wird mehr daraus. Gute Ideen kommen im Arbeitsalltag – um Prozesse zu optimieren, Kosten zu sparen oder zu innovativen Produkten. Es gilt, diese Ideen zu bewerten und umzusetzen. Alfred Krupp hat das bereits vor 150 erkannt und den Grundstein für das Ideenmanagement gelegt.

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 AUSLESE -  DARUM GEHTS HIER:

  • Krupps „Generalregulativ“

  • Wie die Pfalzwerke Ideen managen

  • Die Top-Ideen seit 1940

 

Nein, die Pfalzwerke existieren noch keine 150 Jahre. Aber ein kleines Jubiläum feiern wir in diesem Jahr: Auf 110 Jahre Firmengeschichte blicken wir in 2022 zurück. Unser internes Ideenmanagement gibt es seit 1940. Ein Streifzug durch die Geschichte des Ideenmanagements in Deutschland führt uns ins Jahr…

1872

Im Zeitalter der Industrialisierung sind betriebliche Arbeiten und Aufgaben abgegrenzt und aufgeteilt. Die Menschen der Arbeiterklasse kämpfen für eine bessere soziale Situation, aber auch dafür, dass sie in ihren Betrieben mitgestalten dürfen. So entstehen die ursprünglichen Grundformen des Ideenmanagements zeitgleich mit den Gewerkschaften.

 

 

1872 kommt Alfred Krupps „Generalregulativ“ ins Spiel – und legt den Grundstein für das heutige Ideenmanagement. Das Generalregulativ stellt die innerbetrieblichen Strukturen neu auf und regelt betriebliche Sozialeinrichtungen. Der § 13 ermöglicht Mitarbeitenden, ihre eigenen Ideen in das Unternehmen einzubringen.

Alfred Krupp (1812-1887), Stahlstich von 1888

Das Generalregulativ etablierte sich nach und nach. Ende der 1880er-Jahre war das Ideenmanagement in der gelebten Kultur verankert.
Auch außerhalb der Firma Krupp fasste das Ideenmanagement Fuß, zum Beispiel thematisiert das Betriebsrätegesetz von 1920 das Thema „Ideen der Mitarbeitenden“.

1940

 

 

 

Die Pfalzwerke fördern Mitarbeiterideen seit 1940. Mit einem „Aufruf an die Gefolgschaft“ rief der damalige Generealdirektor dazu auf, Ideen einzureichen. Zu Beginn lief jeder Vorschlag noch über seinen Schreibtisch.

1965

Im Jahr 1965 formierte sich das Ideenmanagement bei den Pfalzwerken neu. Damals schrieben die Mitarbeitenden ihre Vorschläge auf Karteikärtchen.

Heute reichen sie ihre Ideen über ein Tool – den sogenannten Ideenfuchs – ein. Frank Höning vom Ideenmanagement prüft jeden einzelnen Vorschlag, bevor die Ideen von passenden Experten bewertet werden. Außerdem koordiniert Höning die Ausschusssitzungen, bestehend aus einem Gremium von zwei Arbeitnehmervertretern und zwei Arbeitgebervertretern, die das Ideenmanagement monitoren.
Der Referent Veränderungsmanagement und interne Prüfung hatte seit seinem ersten Tag als Werkstudent mit dem Ideenmanagement zu tun. Vier Jahre nach seinem Einstieg bei den Pfalzwerken legte er die Prüfung zum Ideenmanager ab. Seit der Neuauflage der Betriebsvereinbarung „Ideenmanagement“ im Jahre 2016 berät er als neutraler Akteur das Gremium in allen Belangen, um jede Idee einer fairen und transparenten Bewertung zuzuführen. Sage und schreibe 100 Ausschusssitzung hat er bereits begleitet. Insgesamt hielt der Ausschuss, der in der Regel einmal im Quartal zusammentrifft, seit der Gründung 1965 genau 230 Sitzungen. Warum er sich für gute Ideen engagiert, beantwortet Frank Höning mit Leichtigkeit: „Ideenmanagement ist zukunftstreibend. Es gibt einen Einblick, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter antreibt und worin sie die Zukunft sehen. Für manche Ideen ist das Unternehmen jedoch noch nicht bereit und es wird dauern, bis sie umsetzbar sind. Aber genau das zeigt deutlich, dass unsere Mitarbeitenden kreative Köpfe sind, die innovative Wege beschreiten wollen.“

 

Es ist spannend zu sehen, wie die Kolleginnen und Kollegen ticken, und vor allem, wie innovativ wir insgesamt sind.“

1992

Noch immer lehnt die Vogelschutzhaube in einer Ecke von Frank Hönings Büro. Diese Haube als Aufsatz für Stützisolatoren war im Jahr 1992 patentreif und die (bisher) erfolgreichste Idee der Pfalzwerke. Eine längere Zeit schon hatten sich die Netzmitarbeiter Gedanken zum Vogelschutz gemacht, bis die Idee zu den 1,30 m langen Schutzkappen, die Vögel vor Stromschlägen schützen, konkret zu Papier gebracht wurde. Mit dem Ingenieurbüro Frösinger als Vertriebspartner verkaufen die Pfalzwerke auch noch nach dem Auslaufen des Schutzrechtes im Jahr 2012 die Schutzhauben an Netzbetreiber.

Die lukrativste Idee für den Ideeneinreicher war ein Verbesserungsvorschlag in der Abrechnung. Einem Mitarbeiter fiel auf, dass bei einer IT-Systemumstellung Wandlerfaktoren in großer Anzahl nicht berücksichtigt wurden. Die als „Korrektur der Wandlerfaktoren“ eingereichte Idee ersparte den Pfalzwerken große finanzielle Verluste und wurde entsprechend honoriert: Mit 47.000 Euro erhielt der Ideeneinreicher die höchste Prämie, die bisher ausgeschüttet wurde.

Das erste Europäische Patent erhielt die Pfalzwerke Netz AG im Jahr 2016: „Ein einseitig betätigbarer Schalter mit Mittenabgriff und T-förmiger Mast mit einem solchen Schalter“ Vier Netzmitarbeiter bastelten in ihrer Garage einen Prototypen und reichten im Anschluss ihre Idee ein.

2022

150 Jahre nach Krupp richten das Zentrum Ideenmanagement (ZI) und das Deutsche Institut für Ideen- und Innovationsmanagement das betriebliche Ideenmanagement neu aus und orientieren sich an Digitalisierung, New-Work-Culture und Globalisierung.
Gleich geblieben sind die Werte des Ideenmanagements: Mitarbeitende bei der Ideengenerierung zu fördern und so eine wertschätzende Kultur zu etablieren.

„Als Mitglied beim ZI unterschreiben wir diese Werte“, bekräftigt Frank Höning. Neben den Patenten wurde das Ideenreichtum und die Innovationskraft der Pfalzwerker mit vielen Auszeichnungen für innovativen Ideen belohnt. Zum Beispiel mit dem Deutschen Exzellenzpreis oder dem Siegel Top100 Innovator in diesem Jahr.

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